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I

i = Kopfstimme, Höhe, Klangträger, Nasenöffner.

Indispositionen [von Lilli Lehmann] In der Voraussetzung, dass man heute oder morgen abberufen werden kann, möchte ich nachstehenden Artikel nicht ungeschrieben lassen, denn ich glaube, dass Sänger sowohl als Ärzte aus ihm Kenntnisse schöpfen können.

Schon oft wollte ich eingehend mich über die vielen schwierigen Zustände auslassen, in welche Sänger, durch Temperatur- oder Klimawechsel, Erkältungen, nervöse Einflüsse mancherlei Arten oder auch durch die Bosheit toter Objekte des öfteren versetzt werden können, will hier aber nur einige Beispiele herausgreifen, die, Interessant und lehrreich genug, mir selber mitgespielt haben.

Als Auftakt eine kleine Richard-Wagner-Anekdote: Richard Wagner dirigierte am 12. Mai 1872 in Wien ein Konzert, bei welchem dem Hornvirtuosen Richard Levy ein Ton umschlug, was man auch mit „gigsen" bezeichnet, und vom Publikum belacht wurde. Als sich nach dem Konzert im Künstlerzimmer alles zusammenfand, erklärte Wagner, dass es ein Verbrechen sei, einen Bläser eines Gigsers halber zu verspotten. Man müsse nur verstehen, was es heiße, dem schnöden Metall einen idealen Klang abzugewinnen, und wie ein kleines Tröpfchen Speichel die größte Künstlerschaft zum Scheitern brächte.

In dem Buche „Meine Gesangskunst" erwähnte ich schon, wie mir der noch jugendliche Max Staegemann und die nicht viel ältere Pauline Lucca über fortwährende Katarrhe und Verschleimungen klagten, die es ihnen unmöglich machten, ihrem Sängerberufe länger anzugehören.

Dieses Recht hätte ich meinen Katarrhen freilich nie eingeräumt, aber zu leiden hatte und habe ich heute noch darunter wie alle Sänger. Auch Jean de Reszke, dieser prachtvolle Künstler, sagte mir, wenn wir davon sprachen: "Chère Mad. Lehmann, j'ai craché toute ma vie«. Und so geht es gar vielen, auch oft ganz jungen Sängern, wenn sie besonders empfindlich gegen Erkältungen sind.

Wie oft kommt man glänzend disponiert ins Konzert; aber schon beim Auftreten weht einem kühle Luft entgegen. Der stete Temperaturunterschied zwischen Künstlerzimmer und Saal zwingt uns schon beim ersten Atemzug ein Räuspern auf, das kleine Schleimpartikelchen löst, die sich nun beim immer ausströmenden Atem hin und her bewegen, einem die Freude am Konzert total verderben, indem sie die ganze Aufmerksamkeit des Sängers fürs Ein- und Ausatmen in Anspruch nehmen. Man wird sie, wenn sie glücklich sitzen, manchmal schon in der ersten Nummer los, gar oft aber den halben oder ganzen Abend nicht, wenn sie ad libitum beim Atemholen oder Atemausströmen die Plätze wechseln. Auch wenn es nur ein einziges Fädchen ist, das sich vor die Stimmbänder legt, kann es alles verderben, und nicht selten bekommt Freund Laudeker am Schlusse eines Konzertes zu hören: Jetzt erst bin ich das Fädchen los, das mich den ganzen Abend genierte. Forträuspern oder -husten lässt es sich nicht, nicht im Konzert oder während des Singens. Ich selbst bin als alte Praktikerin schon immer sehr vorsichtig, indem ich meine Zunge dermaßen vor den offenen Mund stelle, dass Rachen und Kehlkopf nie unbedeckt kalter Luft ausgesetzt sind. Manchmal schützt aber auch dieses nicht genügend, und trotz sorgfältigster Vorsicht und mit all meinen Kenntnissen gelingt es mir nicht immer, die Schleimfädchen ganz oder halbwegs zu umgehen oder zu entfernen, indem ich sie möglichst wenig mit meinem Atem streife. Wer vor einer Aufgabe steht, muss durch, muss sie bestens lösen, darf die Flinte nicht ins Korn werfen. Der Zuhörer hat nur den Begriff von einer „Indisposition" des Sängers oder Schauspielers; dass diese nur an einem augenblicklich in Schwung geratenen Schleimfädchen hängt, davon hat er natürlich keine Ahnung. - Zum Glück ereignet sich auch manchmal das Gegenteil, dass man zu Hause nicht sonderlich disponiert ist und es den Abend glänzend geht. Solche angenehme Enttäuschungen gehören zu den glücklichsten Ereignissen des Künstlers.

Dieses nur so nebenbei. Es treten schwierigere Probleme in die Erscheinung, denen wir Künstler nur mit Kenntnissen beikommen können, die weit interessanter sind als kleine, zufällige, oft nur Minuten andauernde Schleimfadenverirrungen.

Nun muss ich einer merkwürdigen Indisposition Erwähnung tun, welche die Erklärung einer weit schlimmeren, wohl 20 Jahre zurückliegenden in sich trägt.

Zwischen einer lang anhaltenden, mit starkem Husten verbundenen Grippe lag bereits ein Vierteljahr vollster Genesung und vielen Singens. Da ich jeden Morgen, sobald ich aufstehe und Toilette mache, immer schon chromatische und sonstige Läufe singe, um meinem Kehlkopf die nötige Elastizität durch gymnastische Übungen zu verschaffen und zu erhalten, fühlte ich damals des öfteren, dass mein Kehlkopf schwerfälliger als vorher sich den gewöhnten Bewegungen anpasste und machte anderen gegenüber die lustige Bemerkung: „Ich hätte eine Billardkugel im Halse." Alle meine Übungen brachten mir keine Besserung der Bewegungsmöglichkeiten bei Koloraturen, die ich wohl ganz gut machen konnte, aber ohne die gewohnte Tonstärke, was natürlich nur ich empfand und von niemand anderem bemerkt wurde. Ich kalkulierte also, dass irgend etwas in meinem Kehlkopf ein Hindernis bieten müsse, beschrieb unserem lieben Sanitätsrat Wernecke den Ort, die Empfindung ganz genau und bat ihn, mir einmal gründlich in den Hals zu sehen. Auf meine genaue Beschreibung hin hatte er es denn auch schnell heraus. Zwischen echten und falschen oder oberen und unteren Stimmbändern hatte sich ein kleines Schleimklümpchen festgesetzt, das die Ursache der ungenügenden Kehlkopfbewegung war. Sonst fand er alles in tadelloser Ordnung. Loshusten oder -räuspern lässt es sich an dieser Stelle nicht; so blieb denn nichts anderes übrig, als mit warmem Emserwasser oder Kamillentee oft und ganz langsam zu gurgeln und mir Wattepfropfen mit „schmerzstillendem Balsam", d.h. Lanolin mit Menthol, in die Nase zu stopfen, was starke Lösung bewirkt und die Schleimhäute zur Tätigkeit reizt. Es dauerte doch eine ganze Weile, bis Lösung erfolgte, und ziemlich lange, bis alles zu meiner Zufriedenheit wieder in den Läufen funktionierte. Inzwischen ging ich nach Salzburg, meinen Mozartkurs abzuhalten, wo sich während der Lösung noch nachträglich stundenlang periodische Heiserkeit selbst beim Sprechen einstellte, plötzlich kam, plötzlich verschwand. Hochinteressant waren andere Resultate dieser Lösungen durch die merkwürdigsten Phänomene. Als ich auf dem Wege vollster Stimmklarheit eines Morgens große Übungen sang, ging ich in einer langsamen Skala aufs hohe h, hielt es lange und ließ es ganz langsam auf abnehmendem Atem abschwellen. Plötzlich sprang der Ton - ich hatte ihn der Stütze gänzlich beraubt - aufs viergestrichene h hinauf, wo ich ihn halten und, ohne die Form zu ruinieren, immer wieder anschlagen konnte. Das Experiment machte ich meinen Schülern noch vor und - obgleich sie gewohnt waren, mich fast täglich das hohe e, f, Bis und g singen zu hören - das Wunder anstaunten, das nur dadurch entstanden war, dass sich ein Schleimkörperchen abgelöst, quer über die Stimmbänder gelegt und somit einfach den Überton vom Unterton getrennt hatte. Die Grundursache war der furchtbare Grippehusten, wobei ich die Absonderungen mit aller Gewalt gegen den Kehlkopf trieb, die eben dort haftenblieben. Sehr bald war ich ganz von diesem Zustand befreit.

Nun aber komme ich auf den weit schwierigeren, weit zurückliegenden Fall in Amerika, der mich einmal vier Wochen während der Saison auszusetzen zwang.

Wir hatten unter Maurice Grau eine der unvergesslichen Tristanaufführungen mit Jean und Edouard de Reszke vollendet. Der Vorhang war gefallen, die Toten waren am Auferstehen. Die Bewegungen der vielen Gewänder sowie das Fallen des Vorhanges nebst dem dauernd niederrieselnden Imprägnierungsmaterial hatten viel Staub aufgewirbelt, und ich hatte wahrscheinlich beim Sprechen mit meinen Kollegen etwas davon in die Luftröhre bekommen, denn plötzlich entwickelte sich ein furchtbarer Krampfhusten, dessen Reiz mich so lange drangsalierte, bis er sich und mich völlig erschöpft hatte. Im Hotel angelangt, mussten wir noch beinahe eine Stunde in der zugigen Halle verbringen, da Feuer ausgebrochen und wir nicht eher zu unseren Appartements gelangen konnten, bis es gelöscht war. Merkwürdigerweise war ich am anderen Tage ganz wohl. Abends erst entwickelte sich ziemlich rasch eine starke Heiserkeit; ich konnte bald kaum mehr sprechen und hatte das Gefühl eines dick verschwollenen Kehlkopfes. Die Götterdämmerung musste ich für den nächsten Abend absagen. Und nun begann eine höchst ungemütliche Zeit, die Heiserkeit rührte und regte sich nicht vom Fleck. Grau sandte mir nach einigen Tagen Dr. Curtis, den drüben sehr berühmten Halsarzt und sehr lieben Mann, um mich zu untersuchen; er sollte ihm sagen, wann ich wieder disponibel wäre. Dr. Curtis sagte, dass mein Hals in guter Ordnung sei, er nichts finden könne und ich in drei bis vier Tagen wieder singen würde. Ich war wütend! Sprechen konnte ich kaum, hatte keinen Ton in der Kehle und sollte nichts im Halse haben, sollte in einigen Tagen singen können? Ich glaube, ich fuhr den guten Dr. Curtis nicht schlecht an! Er bat mich denn auch, anderen Tags zu ihm zu kommen, wo er eine Rötung des einen Stimmbands konstatierte (vielleicht nur, um mich zu beruhigen) und mich äußerlich elektrisieren wollte. Da dies aber gar keinen Einfluss auf meinen Zustand zu haben schien, machte ich kurzen Prozess und fing an, auf eigene Faust Stimmübungen zu machen - mit denen Curtis auch sehr einverstanden war -, indem ich auf einzelne freiere Töne in der Mittellage immer auf e, ei, eji Verbindungen von einem zum anderen Ton und Buchstaben schuf und fortlaufend größere Intervalle hinzuzog. Es ging langsam, aber nach und nach kam wieder gewohntes Leben in meine Kehlkopfmuskeln (ob Schleimabsonderungen damals stattfanden, kann ich mich nicht mehr erinnern), aber nach vier Wochen konnte ich endlich als Berta im Prophet auftreten.

Auch hier traten wechselnde Phänomene in die Erscheinung, indem ich alle paar Stunden anders disponiert war. Eben noch hatte ich eine Riesenhöhe und wenig Tiefe, um dann gleich darauf mit einer Mittelstimme von unglaublicher Stärke loslegen zu können, während eine andere Stimmlage wieder abgeschwächt war. Oft auch musste ich mir während des Singens andere Worte mit hellen oder dunklen Vokalen schnell erfinden, um einen oder den anderen Ton klingend zu erhalten. Unentwegte Sprach- und Gesangsübungen regelten aber auch diese Erscheinungen sehr schnell, mit jeder Rolle fühlte ich die Besserung und den scheußlichen Zustand mehr entschwinden. Nach kurzer Zeit reiste die ganze Metropolitan-Opera-Gesellschaft nach London zur Season, wo ich in ungefähr fünf Wochen 16 große Rollen sang. Auf der ersten Normaprobe ereignete sich, was sich 20 Jahre später auch abspielte. Bei einer sehr hoch liegenden Stelle, die ich ganz pianissimo probierte, schlug die Stimme in die viergestrichene Oktave um, wo ich die ganze Stelle bis zu Ende sang, zum sprachlosen Erstaunen Kapellmeister Mancinellis und des Orchesters, denen ich lachend das Phänomen erklärte, von dem sie nie gehört, das ihnen nie begegnet war.

Wenn ich heute die beiden Indispositionen miteinander vergleiche, so drängt sich mir die Ähnlichkeit unwillkürlich auf. Heute wundere ich mich nicht mehr, dass Dr. Curtis damals nichts in meinem Halse vorfand, da die Ursache - der zwischen die Stimmbänderpaare hineingehustete Staub und Speichel, die sich dort verknäult hatten - fest darunter eingekeilt saß und sicherlich nicht zu erkennen war, welche dann soviel später die hübschen spielerischen viergestrichenen Oktavphänomene hervorzauberten. Übrigens kann man sie auch auf natürlichem Wege hervorbringen, durch Nichteinstellung des Kontaktes mit den Brustmuskeln und besonderer Zungen- und Gaumenstellung.

Eine weitere unheimliche Indisposition überfiel mich, als ich nach einem Gastspiel am Rhein im März 1909 schnell nach Wien reiste, um dort ein längeres Gastspiel mit dem Requiem von Verdi zu beginnen, das, für den philharmonischen Witwen- und Waisenfonds gegeben, von Weingartner geleitet wurde. Wie freute ich mich auf das prachtvolle Werk, das ich liebte, unter Verdis persönlicher Leitung in Köln und später noch so oft in Berlin gesungen hatte. Schon auf der kurz nach meiner Ankunft angesetzten Klavierprobe machte mir mein Atem schwere Sorge. Ich konnte nämlich nicht wieder ausatmen, d.h. den Atem nicht wieder loswerden. Das Gefühl aufgeblähter Lungen, die sich nicht entleerten, war schauderhaft! Da ich überhaupt kaum Atem hole, stets mit abnehmendem Atem singe, der immer ausströmend läuft, komme ich gar nicht in Verlegenheit, meine Lungen aufzublähen. Auf der Orchesterprobe am anderen Tage war es noch peinlicher, meinte ich doch, meine Lungen müssten platzen, und am Konzertabend wurde es so stark, dass ich nicht im Stande gewesen wäre, die vorletzte, sehr schwierige Nummer: „requiem aeternam", die einen fortwährend zurückgehaltenen Atem erfordert, zu singen; ich musste sie fortlassen. Von der Ursache hatte ich keine Ahnung, schob sie gleichwohl der Reise zu, und nach einigen Tagen war das unheimliche Gefühl wieder verschwunden, ich konnte mein Gastspiel ungehindert absolvieren. Zu Hause angelangt, wurde mir über den schrecklichen Zustand Aufklärung durch Frau Gadsky, welche, eben von Amerika zurückgekommen, mich aufsuchte. Auf meine Erzählung hin sagte sie: „O, das ist drüben ein allgemein bekannter Zustand, der bei Durchquerung weiter Distrikte vielfach eintritt. Allüberall stehen dagegen Wasserstoffsuperoxyd-Apparate zum Einatmen bereit, welche den Zustand in einer halben Stunde beseitigen." Es war also in Wien auch nur der schnelle Klimawechsel schuld daran. In Amerika war es mir trotz weiter Reisen niemals vorgekommen, und ich wünschte auch nie wieder, in solch einen furchtbaren Zustand versetzt zu werden.

Es war im Winter 1907, als ich in New York ein Matinee-Recital in Carnegie Hall sang und brillant disponiert ins Konzert fuhr. Während der ersten drei Nummern wurde es mir in Nase, Mund und um die Lippen so eigentümlich, ich konnte mich nicht frei machen davon, und schließlich klebten meine Lippen an den Zähnen fest, die ich nicht mehr ablösen konnte. Was nur mochte das sein? Ich riet hin und her; ich war doch gesund ins Konzert gekommen! Mein Kopf fing an zu brummen, und die Hitze am Podium wurde un-erträglich. Wenn es auch andere nicht merkten, ich befand mich in einer verzweifelten Lage. Zu Hause angekommen, hatte ich nur den einen Gedanken: ich würde krank werden. Mein Durst war unstillbar, also: Fieber und Influenza in Aussicht! Aber ich wurde nicht krank, und am anderen Morgen war alles vorbei. Es stellte sich später bei genauen Nachforschungen heraus, dass heiße Luftheizröhren in der Vorderwand des Podiums, auf dem ich stand, nach vorn die Glutwellen trockener Luft mir gerade ins Gesicht geworfen und meine Schleimhäute beim Einatmen total ausgetrocknet hatten. Ich hatte natürlich keine Ahnung von der Unvernunft der Anlage, dass den Sängern glühende Luft vors Gesicht gepumpt werden könne, die ihnen die Kehlen bis zum Ersticken austrocknen könnte.

Dass ich als siebzehnjährige Anfängerin in Prag mit einem Hexenschuss, der mich den ganzen Tag über wie krumm geschlossen in Schmerzen hielt, am Abend dennoch eine Rolle in den schönen Weibern von Georgien - von Mama fast in den Wagen getragen - sang, spielte und mitexerzierte, war ein sehr schmerzhaftes, aber kein besonderes Kunststück... Weit unangenehmer, als ich in Berlin durch eine Hummermayonnaise infiziert, vierzehn Tage lang vor Schmerz weder den Mund öffnen noch die Zähne zusammenbeißen konnte und dabei große Rollen singen musste. Von den vielen Halsentzündungen, mit denen wir Lehmanns immer sangen und gar keine Notiz davon nahmen, will ich gar nicht reden. - Nur noch etwas vom Objekt: Meine Schwester hatte sich in Wien als Desdemona in Verdis Othello einen großen Nagel in den Fuß getreten in der Schlußszene und musste diese zu Ende spielen und singen, ehe sie sich davon befreien konnte. - Diese und andere Scherze und Bosheiten des Objekts spielen neben ernstlich physischen oder seelischen Indispositionen natürlich keine Rolle; sicher machen alle Künstler dergleichen durch, nur sind sie nicht immer leichter Art oder gehen glücklich aus. Nicht selten lassen sie Spuren tiefer Schmerzen in der Erinnerung zurück und haben sogar schon das Leben manch eines Künstlers bedroht, vergiftet, wenn nicht gar frühzeitig beendet, was natürlich zu den traurigsten Unglücksfällen gerechnet werden muss.

Dennoch ist der Künstler durch seinen Beruf im Stande, so manche Krankheiten im Keime zu ersticken, sie abzuschütteln. Die Aufregung, mit einer großen Aufgabe vor dem Publikum zu stehen, die Notwendigkeit, seine volle geistige und körperliche Kraft aufs Schärfste zu konzentrieren, bringt dem zu irgendeiner Krankheit hinneigenden Körper - schon durch Transpiration - Vorteile, wie man sie kaum glauben würde, und die nur diejenigen kennenlernen, die Mut und Energie genug besitzen, sich alles zuzutrauen, dessen ihre Nerven fähig sind.

 

www.maxhoerberg.de